Donnerstag, 10. April 2014

Vegetarisch glücklich - selig vegan

 




Aus "Chefkoch" Foto c) Schrat

Kleine Abhandlung über die Geschichte der fleischlosen Ernährung

Ein gestandener Mann braucht ein Stück Fleisch auf dem Teller!“ „Fleisch ist ein Stück Lebenskraft!“
Wer kennt sie nicht, diese losen Sprüche, schnell und bedenkenlos dahin gesagt, Floskeln, gespickt mit z.T. gefährlichen Irrtümern und ohne Wahrheitsgehalt; denn sie implizieren die Behauptung, dass der Tod von Tieren menschliches Leben und Gesundheit fördert.
Mittlerweile sieht auch die Wissenschaft nicht mehr in der fleischlosen Kost eine exotische Ernährungsvariante einiger irregeleiteter menschlicher Spezies oder gar eine „psychische Erkrankung junger Frauen“, wie das angebliche Ergebnis einer Auftragstudie (wahrscheinlich der Fleischindustrie) zu vermelden wusste, sondern eine ernst zu nehmende, wichtige, der Gesundheit dienende Entscheidung von Menschen, die sich ihrer Verantwortung für die Mitwelt bewusst geworden sind.
Dabei ist Vegetarismus keine Erfindung der Neuzeit, schon in der vorchristlichen Antike in Europa (unabhängig davon auch in Indien) wurde der Vegetarismus als „Enthaltung vom Beseelten“ bezeichnet, Mythen erzählen von einem märchenhaften Volk, den Lotophagen, die als Nahrung ausschließlich die süße Frucht der Zauberpflanze Lotos genossen hätten wie Herodot behauptete, aber kein geringerer als Homer berichtete zuerst von diesem friedfertigen Naturvolk. Auch Diodor beschreibt „Holz-, Samen- und Wurzelesser“ in Äthiopien. Neben der positiven Bewertung der fleischlos lebenden Völker, die als friedfertig, gerecht und fromm beschrieben werden, berichten sowohl Hesiod (Werke und Tage), Platon (Staatsmann), Ovid (Metamorphosen) in ihren Werken über ein sagenhaftes „Goldenes Zeitalter“, in dem die Erde noch alles an Nahrung selbst hervorbrachte ohne Zutun des Menschen, der sich ausnahmslos fleischlos beköstigte. Ab dem 6. vorchristlichen Jahrhundert wird Vegetarismus als historisches Phänomen bezeugt. Die religiöse Bewegung der Orphiker und die Anhänger des Pythagoras lehnten Eier und die damals allgemein üblichen rituellen Tieropfer ab; ihre Seelenwanderungslehre führte zu einer höheren Wertschätzung des Lebens der Tiere, Emphedokles gar trat im 5. Jahrhundert v. u. Z. als radikaler Vertreter des Vegetarismus und für die Verschonung aller Tiere hervor, zudem schrieben die antiken Vegetarier der Fleischnahrung nachteilige Auswirkungen auf asketische und philosophische Bestrebungen zu, in ihrer ethisch-religiösen Motivation verwarfen sie Tieropfer und betonten die Gemeinsamkeit zwischen Tieren und Menschen. Die Frage nach den ethischen Pflichten gegenüber den Tieren wurde damals wie heute kontrovers diskutiert. Die Philosophenschule der Platoniker zeichnete sich durch einen hohen Anteil an Vegetariern und Tierfreunden aus, während sich in anderen Schulen, wie die der Epikureer, der Stoiker und Peripatetiker kaum oder gar keine fleischlos lebenden Schüler befanden. In ihrem extrem anspruchslos Leben verzichteten die Kyniker auf Fleisch, aber ohne diese Einstellung zum Prinzip zu erklären. Zu erwähnen wären noch die Manichäer, deren innerer Kreis (ähnlich wie bei den späteren christlichen Katharern des beginnenden zweiten Jahrtausends) die Electi („die Auserwählten“), nicht töteten, ganz auf Fleisch, grundsätzlich auf Eier verzichteten, während für den breiteren äußeren Kreis der Gemeinschaft die Ernährungsvorschriften nicht ganz so streng gehandhabt wurden.
Bei der Behandlung von Christentum und seine Stellung zum Vegetarismus stellt sich die Frage der Fragen: War jener Mann namens Jesus, der schon seit über 2000 Jahren die Gemüter der Menschen des ganzen Erdballs beschäftigt, war jener Jeshua mit den Ehrennamen Christus – Erlöser/Erretter, mit denen ihn seine einstigen Zeitgenossen bedachten, Vegetarier? Viele „moderne“ Christen bezweifeln bzw. bestreiten diesen Umstand, aber es gibt noch alte Schriften, die nicht verloren gegangen sind und eindeutig den Vegetarismus der Jünger Jesu, der Apostel, belegen und damit auch den Vegetarismus des Wanderpredigers, der im weißen Bräutigamskittel das damalige Palästina durchzog und seine Lehre von Liebe und Frieden predigte. Die Frage erklärt sich fast von selbst zieht man die Residuen der alten außerkanonischen Texte zu Rate wie z.B. die der „Pseudoklementinen“, die von Petrus selbst stammen sollen. Hier ist eindeutig in Predigt XII zu lesen: „Das widernatürliche Essen von Fleisch ist ebenso vergiftend wie die heidnische Anbetung von Teufeln mit ihren Opferungen und unreinen Festen. Durch Teilnahme wird der Mensch zum Tischgenossen von Teufeln“. Und was sagt der Apostel zur eigenen Ernährung? „Ich lebe von Brot und Oliven, denen ich nur selten ein Gemüse zufüge.“ Weiterhin beschreibt Clemens von Alexandria (*150 in Athen, + 215 Kappadokien) in seinem Werk Padaigogòs („der Erzieher“), dass der Evangelist Matthäus hauptsächlich von Pflanzenspeisen gelebt und nie Fleisch berührt habe (Padaig. II,1). Ein weiterer früher Kirchenvater, der Bischof Eusebius von Caesarea (264–349), zitierte in seiner Kirchengeschichte (II,2,3) einen der frühesten Kirchenschriftsteller Hegesippus (*100, +180 in Jerusalem), nach dessen Niederschrift der Apostel Johannes niemals Fleischkost genossen habe. In der gleichen Quelle wird Jakobus der Jüngere (nach Hegesippus ein Vetter Jesu, Sohn des Klopas/Alphäus eines Bruders des Joseph, oft auch mit dem Beinamen der Gerechte betitelt), als heilig von Mutterleib an beschrieben, der keinen berauschenden Getränken zusprach, und nichts verzehrte, was beseelt war (II,23,5.6). Dass dieser erste Führer der jüdisch-christlichen Gemeinde Jerusalems, zweifelsohne ein sehr naher Verwandter des Jesus von Nazareth, nach heutigen Begriffen vegetarisch lebte, kann als eindeutiger Beweis für eine gleichfalls fleischlose vegetarische Ernährung des Jesus von Nazareth gewertet werden, dabei ist es vollkommen belanglos, ob Jesus der Essaier-Gemeinschaft angehörte oder nicht. Sein „letztes Abendmahl“, bei dem sich offenbar kein Fleisch auf der Seder-Platte befand; denn er verteilte Brot und Wein mit den bekannten Einsetzungsworten unter die Jünger, spricht ebenfalls für einen vegetarischen Jesus.
Drei weitere nachchristliche wichtige Zeugen des vegetarischen Lebens der frühen Christen sollen nun sozusagen als Zeugen benannt werden, bevor auf die gewaltsame Veränderung des vegetarischen Christentums in die heutige Form der fleischverzehrenden christlichen Kirche eingegangen werden soll. Ein weiterer der ältesten „lateinischen“ Kirchenväter bzw. -stifter Tertullian (160-222) teilt um etwa 200 die jungen christlichen Gemeinden sogar in zwei Gruppen: In die „wahren“, fleischlos lebenden Christen und in die „Leiber ohne Seelen“, die ähnlich wie Paulus, Fleisch und Alkohol nicht abgeneigt waren (obwohl Paulus selbst – wie im Toledot Jeshu überliefert – davon berichtete, dass Jesus (posthum) ihm angeordnet habe, dass er enthaltsam, ohne Alkohol und Fleischverzehr, leben müsse, bevor er in Kontakt mit ihm treten könne).
Wenn wir den kenntnisreichsten „lateinischen“ Kirchenstifter, den wir in Hieronymus von Stridon finden, dem Schöpfer der „Vulgata“, sprechen lassen wollen, so erfahren wir von ihm, dass er sich gegen die Anordnungen des Papstes Damasus I. auflehnte, der von ihm eine Übersetzung der gesamten Texte der Bibel fordert. Die Begründung des Heiligen, dass er zwar die alten Sprachen verstehe, da sich aber die Sprache verändert habe, er nicht wisse, was die „Alten“ gemeint haben, ob er es richtig interpretieren würde und gezwungen sei, sozusagen eine völlig neue Bibel zu schaffen, ließ der Papst nicht gelten. So war Hieronymus zwar das große Werk gelungen, aber es bestehen Zweifel darüber, wieviele der alten Texte dem Geheiß des Damasus zum Opfer fielen. Jedenfalls wusste Hieronymus von der fleischlosen Ernährung der frühen Christen und des engsten Kreises um Jesus und sprach z.B. von „cibi innocentes“, den unschuldigen Speisen, die ohne Blutvergießen gewonnen werden. Deutlicher erfährt man sein Wissen durch die Sätze: „ Der Genuss von Tierfleisch war bis zur Sintflut verboten; seit der Sintflut aber gibt man uns die Nerven/Fasern und den stinkenden Saft des Fleisches unter die Zähne, gleich wie man dem murrenden Volk in der Wüste Wachteln vorwarf. Jesus Christus, der am Ende der Tage gekommen ist, hat das Ende an den Anfang (Genesis 1, 29-30) zurückgeführt, so dass es uns heute nicht mehr gestattet ist, Fleisch zu essen“ (Lib. I, Adversus Jovinian). „Der Leib, der mit Fleischspeisen beschwert wird, wird von Krankheiten heimgesucht; eine mäßige Lebensweise macht ihn gesünder und stärker und schneidet dem Übel die Wurzel ab: Die Dünste der Fleischspeisen des Geistes“. Diese Aussage könnte evtl. von einem Wissenschaftler der Neuzeit stammen, ist aber die Erkenntnis des Hl. Basileus, eines der frühen Kirchenlehrer, der von 330-379 lebte.
Die Rolle Konstantin des Großen, des Heliosverehrers, der sich aller Wahrscheinlichkeit nach – wenn überhaupt - erst auf dem Totenbett zum Christentum bekehrte, sich selbst als „Sol invictus“ betrachtete (im Grunde in Konkurrenz zu Jesus) und sich deshalb auch als „Bischof der inneren Ordnung“ auf dem Konzil zu Nicäa 325 verstand, ist nicht zu unterschätzen und von tief greifender Entscheidung. In dieser Position griff er in den „Arianischen Streit“ ein, entschied nach seinem eigenen Geschmack und Dafürhalten, welche Evangelien in den biblischen Kanon eingebunden werden sollten und begann eine verheerende Verfolgung der christlichen Vegetarier, denen oftmals zur Strafe der Hals mit Blei ausgegossen wurde. In der Folge lebten Vegetarier gefährlich, Die kirchliche Hybris erreichte ihren Höhepunkt im Bannfluch des Papstes Johannes III, (561-574) der auf der 1. Synode von Braga (Portugal) Vegetarier mit einem Anathem belegte:“Wenn jemand Fleischspeisen, die Gott den Menschen zum Genuss gegeben hat, für unrein hält …. und auf sie verzichtet ….sei er mit einem Bannfluch belegt“. Vegetarisch lebende Christen mussten fortan um ihr Leben fürchten, sie wurden bekämpft und ausgelöscht, das gravierendste Beispiel die vegetarischen, urdemokratisch lebenden Katharer, einer christlichen Bewegung hauptsächlich im Süden Frankreichs zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert. Nach etwa einjähriger Belagerung der Katharer-Burg Montségur von 1243 bis zum Frühjahr 1244, mussten die Besatzung der Burg aufgeben, 225 Katharer, die nicht ihrem Glauben abschwören wollten, wurden lebendigen Leibes verbrannt.
Konstatin der Große - Kolossalstatue c) Wikipedia Röm. Museen

 


 
Von dem kleinen Heiligen, Franziskus von Assisi, wird zwar immer wieder behauptet, dass er nicht fleischlos gelebt habe, doch diese Behauptung kann den überlieferten Tatsachen nicht standhalten: Seine eigenen Aussagen und viele Erzählungen um und über Franziskus beweisen das Gegenteil, darunter auch die rührende Geschichte, dass er einmal einer Fischhändlerin zwei Fische abkaufte, um „Schwester Schleie“ wieder in ihr ursprüngliches Element freizulassen.
Es dauerte nun bis zur frühen Neuzeit, bis wieder prominente Persönlichkeiten für einen ethisch motivierten Vegetarismus eintraten, Namen wie Leonardo da Vinci und Pierre Gassendi im 15. und 16. Jahrhundert sind hier hervorzuheben, der Engländer Thomas Tyron im 17. Jahrhundert. Ab Beginn des 18. Jahrhunderts breitete sich die Idee des Fleischverzichts in der Ernährung besonders im angelsächsischen Raum aus, die schließlich in die Gründung des ersten Vegetariervereins in London im Jahre 1801 mündete, dem bald ähnliche Gruppierungen in anderen Städten folgten. Im 19. Jahrhundert zeigte sich als prominentester Wortführer des ethisch motivierten Vegetarismus der Dichter Shelley. Als sehr prominenter Repräsentant in der englischen Öffentlichkeit erwies sich ebenfalls George Bernhard Shaw, in Russland machte sich Lew Nikolajewitsch Tolstoi für die fleischlose Ernährungsweise stark. In Deutschland gilt Gustav Struve als Begründer des Vegetarismus, der 1868 für Stuttgart und Umgebung den ersten vegetarischen Verein gründete, der heute noch besteht. In der Vielzahl von Gruppen, Vereinen und Initiativen, die sich nun bildeten kristallisierten sich immer stärker die Aspekte des Tierschutzes heraus, eine sog. „Veredelung“ des Menschen durch Fleischverzicht wurde für möglich gehalten, der prominenteste Vertreter dieser Strömung zeigte sich in Richard Wagner, der die allgemeine Abkehr vom Fleischverzehr und von den Tierversuchen forderte. 1946 wurde die Vegetarier-Union Deutschlands gegründet, ab 1985 unter dem Namen Vegetarier-Bund Deutschlands bekannt, 2008 umbenannt in Vegetarierbund Deutschland.
Durch den Einfluss des Doktors von Lambarene, des Pfarrers, Musikers und Arztes Dr. Albert Schweitzer, der sich seit seiner Jugend sehr intensiv mit der tödlichen Gewalt gegen Tiere auseinander setzte, erfuhr die Behandlung dieser ethischen Problematik immer mehr Beachtung, das von Albert Schweitzer entwickelte Prinzip der „Ehrfurcht vor dem Leben“ spielt gerade auch in heutiger Zeit eine immer größere Rolle bei der Ausbildung des ethischen Bewusstseins, ebenso wie Gandhi, einem weltweit bekannten Vertreter der Gewaltlosigkeit und Befürworter des Vegetarismus.
Eine ganz andere Qualität, ja eine Zäsur, erfuhren Tierschutz- und Vegetarismusbewegungen 1975 mit dem Erscheinen des Buches „Animal Liberation“ von Peter Singer mit der Argumentation, dass es keine moralische Rechtfertigung gäbe, die das Leid eines Wesens, gleich welcher Natur es sei, nicht in Betracht zu ziehen. Spezielle „nichtmenschliche Tiere“ (zum Beispiel sog. „Nutzvieh“) vom Gleichheitsprinzip auszuschließen, wäre ebenso willkürlich wie Menschen anderer Hautfarbe, Religion oder wegen Geschlechtes davon auszunehmen. Helmut F. Kaplan, ein Mitbegründer der Tierschutzpartei, betont die wichtige strategische Position des Vegetarismus zur Förderung des Veganismus („wer Veganer will, muss den Vegetarismus fördern“), der, über die fleischlose Ernährung hinaus, auf alle tierischen Produkte, auch von lebenden Tieren, verzichtet.
Die gute Nachricht: Schätzungen zufolge erfährt die vegetarisch/vegane Bewegung weltweit einen täglichen Zuwachs von 4000 Menschen, das bedeutet täglich 4000 Schritte in die richtige Richtung auf einen guten Weg zur gemeinsamen leidfreien Zukunft von Menschen und Tieren, Zeiten, die schon in den uralten Texten der Bibel prophezeit wurden, in denen der Löwe Stroh frisst und ein Kind ihn hüten kann, so wie es schon zu allen Zeiten viele „großen Geister“ der Menschheit ausdrückten, wie z.B.:

Pythagoras:
Reichtum spendet die Erde,
verschwenderisch friedsame Nahrung,
und sie gewährt euch Gerichte,
die frei sind vom Mord und vom Blute“.

Leonardo da Vinci
Ich habe schon in jüngsten Jahren
dem Essen von Fleisch abgeschworen,
und die Zeit wird kommen, da die Menschen -
wie ich – die Tiermörder mit gleichen Augen
betrachten werden, wie die Menschenmörder“.

Ferdinand August Bebel – Mitbegründer der SPD
Offenbar tritt in dem Maße wie die
Kultur sich hebt, an die Stelle der
Fleischkost die Pflanzenkost.“
  

Text c) Elke Gelzleichter 2013
 
 
 Patrik Baboumian, "Strong Man"    2013 Veganer
 
n.b.:Wussten Sie, dass Vegetarier/Veganer mehr für Klima- und Umweltschutz tun als noch so hoch motivierte Fleischesser, die Produktion eines Kilogamm Rindfleisches erfordert 9000 bis 20000 Liter Wasser, die von Gemüse und Getreide gleichen Gewichtes im Schnitt etwa 1500 Liter.
Wussten Sie, dass Vegetarier/Veganer eine höhere Lebenserwartung haben als Fleischesser (im Durchschnitt eine etwa 15 Jahre längere Lebenszeit).
Wussten Sie, dass die Ursächlichkeit der sog. Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gicht, dementielle Syndrome und Krebs von vielen Wissenschaftlern auf den extremen Fleischverzehr in der heutigen Gesellschaft zurückgeführt wird?