Mittwoch, 8. Juni 2011

Adam und Bruno: zu viele Menschen?

Adam

Bruno



Adam und Bruno: zu viele Menschen?

»Adam! – Hallo, Adam! Nun renne doch nicht so!«, hörte ich plötzlich hinter mir eine bekannte Stimme. Ich blieb stehen und wandte mich um. Bruno kam im Eilschritt anmarschiert, heftig nach Atem ringend.

»Ja, Bruno, nun lass dir doch Zeit, sonst fällst mir noch um.«

Einen Augenblick später hatte mich Bruno eingeholt.

»Dir scheint ja etwas sehr schwer auf der Seele zu liegen oder auf den Magen geschlagen zu sein, dass du mir sogar nachgelaufen kommst.«

»Ach Adam, es ist wirklich fürchterlich!« Dabei machte Bruno ein Gesicht, als wüsste er, dass jeden Moment ganz in unserer Nähe eine Atombombe explodieren würde.

»Nun erzähle doch erst einmal, was dich so durcheinandergebracht hat!«, forderte ich Bruno auf.

»Ich wurde zufällig Zeuge, wie sich ein paar junge Leute, vermutlich Studenten, über die Weltbevölkerung unterhielten. Mit fast sieben Milliarden Menschen hätte die Bevölkerung einen Umfang erreicht, der nicht mehr problemlos ernährt werden könne.«

»Das ist völlig richtig, Bruno. Selbst Carl Friedrich von Weiszäcker, Physiker, Philosoph und Friedensforscher sagte voraus, dass mit der Überbevölkerung ein großes Problem auf die Menschheit zukäme.«

»Dann ist es also wahr. Was kann man dagegen tun?«

»Eine wirksame Maßnahme fällt wohl jedem ein …«

»Was meinst du?«

»Die Weltbevölkerung muss reduziert werden.«

»Also doch!«

»Wenn du einen anderen Weg siehst, Bruno, dann bist du klüger als alle klugen Köpfe der Welt.«

»Hat denn von Weiszäcker Vorschläge gemacht, wie das Problem gelöst werden kann?«

»Nein, Bruno, soweit ich weiß, hat er das nicht. Wie ich vermute, hat er das absichtlich vermieden.«

»Das verstehe ich jetzt aber nicht, Adam.«

»Der Physiker, Philosoph und Friedensforscher von Weizsäcker war ein sehr kluger Kopf; deshalb wusste er, dass jede ethisch vertretbare Maßnahme zulasten der Mächtigen ginge und aus dem Grund von ihnen abgeblockt werden würde.«

»Heißt das, dass sich dieser sehr kluge Kopf um die Antwort gedrückt hat?«

»Natürlich nicht, Bruno. Er hat vorausgesagt, was höchstwahrscheinlich geschehen wird. Es hätte nämlich nichts gebracht, wenn wir uns auf Maßnahmen einstellen würden, die mit großer Sicherheit gar nicht kommen werden. Viel sinnvoller ist es doch, dass wir darauf vorbereitet sind, was tatsächlich auf uns zukommt, dass wir die Lügen und Fehlinformationen erkennen.«

»Was kommt denn da nach von Weizsäckers Meinung auf uns zu?«

»Als hätte ich deine Frage geahnt, habe ich vorgesorgt. Im Blog Weltenpunkt hat nämlich gerade die Blogautorin Pünktchen einen höchst interessanten Artikel veröffentlicht. Unter anderem zitiert sie auch Carl Friedrich von Weizsäcker: ›Zum Zweck der Machterhaltung wird man die Weltbevölkerung auf ein Minimum reduzieren. Dies geschieht mittels künstlich erzeugter Krankheiten. Hierbei werden Bio-Waffen als Seuchen deklariert, aber auch mittels gezielten Hungersnöten und Kriegen. Als Grund dient die Erkenntnis, dass die meisten Menschen ihre eigene Ernährung nicht mehr finanzieren können, jetzt wären die Reichen zu Hilfsmaßnahmen gezwungen, andernfalls entsteht für sie ein riesiges, gefährliches Konfliktpotential.‹ Du siehst Bruno, bevor die Reichen etwas von dem zusammengerafften Vermögen an die Bevölkerung zurückgeben, sorgen sie lieber dafür, dass dieser Teil der Bevölkerung verschwindet und dann notwendigerweise keine Forderungen mehr stellen kann.«

»Also sind Aids und EHEC möglicherweise bereits Maßnahmen, um die Weltbevölkerung zu reduzieren. Ich erinnere mich an Gerüchte, die zusammen mit Aids aufkamen und die besagten, dass Aids den afrikanischen Kontinent von Menschen befreien sollte.«

»Diese Maßnahmen, Bruno, werden immer so sein, dass kein Verbrechen nachgewiesen werden kann. Die Reichen werden immer Möglichkeiten haben, und die Presse wird ihnen dabei helfen.«

»Ach Adam, wir haben jetzt einiges erfahren, wie es wohl ablaufen wird, aber wie könnte es denn ethisch vertretbar ablaufen?«

»Sehr gut, Bruno, diese Frage wollte ich dir auch gerade stellen. – Vielleicht überlegen wir einmal gemeinsam, was sich tun ließe, ohne die Rechte vieler Menschen zu missachten.«

»Im Augenblick ist mein Kopf noch voll von den entsetzlichen Maßnahmen der Reichen.«

»Über eines sollten wir uns allerdings keine Illusionen machen, und zwar über die Notwendigkeit, die Weltbevölkerung zu reduzieren. Dass es tatsächlich zu viele Menschen auf der Erde gibt, lässt sich nicht wegdiskutieren.«

»Gut, Adam, die Weltbevölkerung muss also tatsächlich reduziert werden. – Damit haben wir noch keine Antwort auf die Frage nach dem Wie.«

»Sehr gut, Bruno, das ist völlig richtig. – Bevor wir jetzt allerdings anfangen, Maßnahmen aufzuzählen, sollten wir uns von einer weiteren Illusion lösen: Eine moralisch vertretbare Maßnahme wird das Problem nicht von heute auf morgen beseitigen.«

»Was bedeutet das praktisch?«

»Das bedeutet, dass wir die Maßnahmen gegen die Überbevölkerung in zwei Gruppen aufteilen. In der einen Gruppe sind die Maßnahmen, die tatsächlich zu einer Reduzierung führen, und in der anderen Gruppe haben wir die Maßnahmen, die uns dabei helfen können, die Zeit zu überbrücken, bis die Reduzierung zu einem akzeptablen Ergebnis geführt hat.«

»Hast du auch Beispiele dafür, Adam?«

»Das wichtigste Instrument zur Reduzierung ist wohl die Geburtenkontrolle. Aber selbst dabei müssen wir aufpassen, dass sie nicht nur zulasten der Armen gehen. – Als begleitende Maßnahme ist die Umstellung der Essgewohnheiten wichtig.«

»Das verstehe ich jetzt aber wieder nicht. Wie soll die Umstellung der Essgewohnheiten dabei helfen, die Weltbevölkerung zu reduzieren? – Oder meinst du, dass die Menschen nicht mehr täglich essen, sondern nur noch jeden zweiten oder dritten Tag?«

»Das ist jetzt schon fast kurios. Du sprichst von jedem zweiten oder dritten Tag, ich steigere das noch und sage, sie sollten nur einmal oder zweimal in der Woche Fleisch essen, denn die riesigen Viehherden, die vorgehalten werden müssen, um den Menschen den Verzehr von Fleisch zu ermöglichen, erschweren die Ernährung der Massen und zerstören überdies die Umwelt nachhaltig.«

»Wir sollen somit zu Vegetariern werden, meinst du das?«

»Am besten wäre es, Bruno. Für eine Übergangszeit wäre es jedoch schon ein Fortschritt, wenn wir nicht jeden Tag Fleisch essen würden.«

»Vegetarier also, Adam!«

»An dieser Stelle, lieber Bruno, möchte ich noch einmal auf das Blog Weltenpunkt verweisen. Dort haben die beiden Blogautorinnen Ursula und Pünktchen bereits viel Interessantes zu diesem Thema zusammengetragen. Lies ihre Beiträge sehr aufmerksam, und dir wird plötzlich offenbar, dass du bisher in einer Traumwelt gelebt hast.«

»Pünktchen und Ursula im Blog Weltenpunkt, ich werde dort gründlich lesen. Du hast mich richtig neugierig gemacht, Adam.«

»Das freut mich, Bruno.«

Wolf-Gero