Donnerstag, 23. Juni 2011

Die Pilatusfrage: Was ist Wahrheit? Wahrheit im Dissens zur Aufrichtigkeit? Das Wort als Instrument der politischen Lüge und Manipulation im saekularen und sakralen Bereich.



Feder- Symbol der Wahrheit  (Quelle 1,2,3 gif)
 Die Wahrheit, die man benennen kann, ist nicht die wirkliche Wahrheit (Lao-tse 604 -531 v. Chr.)

Wenn die Sprache nicht stimmt, dann ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist...(Konfuzius, eig. Kung-fu-tse, chin. Philosoph, 551 - 479 v.Chr.)


Aufrichtigkeit ist Anfang und Ende aller Dinge (Tschung-yung)

Nur wenige Menschen sind stark genug, um die Wahrheit zu sagen und die Wahrheit zu hören!“ (von Luc de Clapiers, 1715 – 1747).


 Die Frage des Pilatus „was ist Wahrheit“ anlässlich der Verurteilung Jesu, wobei er seine Hände „in Unschuld“ wusch, gehört zweifelsohne zu den unbeantworteten Fragen der Menschheit und bewegte deren Gedanken, angefangen von den frühesten Gelehrten und Philosophen bis zu dem sog. „einfachen“ Menschen durch alle Zeiten und blieb letztlich bis heute ungelöst. Zwar gab es das Wort von der unverbrüchlichen Wahrheit z. B. der Naturgesetze oder der Bibel, aber wie wahr sind Kenntnisse von Naturgesetzen, wenn sog. Nischen der Quantenphysik neue Rätsel aufgeben und beileibe noch nicht erforscht sind… wie wahr ist die Bibel, wenn aus einem Brief des Hieronymus an seinen Auftraggeber Damasus I. hervorgeht, dass dieser dem Kirchenvater offenbar mit dem Übersetzungsauftrag gleichzeitig den Auftrag für eine „Neuschaffung“ der Bibel erteilte:



Eusebius Sophr. Hieronymus (Wikipedia)

  "Du zwingst mich, ein neues Werk aus einem alten zu schaffen, gleichsam als Schiedsrichter zu fungieren über Bibelexemplare, nachdem diese [seit langem] in aller Welt verbreitet sind, und, wo sie voneinander abweichen, zu entscheiden, welche mit dem authentischen griechischen Text übereinstimmen. Es ist ein Unterfangen, das ebenso viel liebevolle Hingabe verlangt, wie es gefährlich und vermessen ist; über die anderen zu urteilen und dabei selbst dem Urteil aller zu unterliegen; in die Sprache eines Greises ändernd einzugreifen und eine bereits altersgraue Welt in die Tage ihrer ersten Kindheit zurückzuversetzen. Wird sich auch nur einer finden, sei er gelehrt oder ungelehrt, der mich nicht, sobald er diesen Band [die Überarbeitung der Evangelien] in die Hand nimmt und feststellt, dass das, was er hier liest, nicht in allem den Geschmack dessen trifft, was er einmal in sich aufgenommen hat, lauthals einen Fälscher und Religionsfrevler schilt, weil ich die Kühnheit besaß, einiges in den alten Büchern zuzufügen, abzuändern oder zu verbessern?...“ (Vorrede zum Neuen Testament; zit. nach A. M. Ritter, Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen, Bd. 1 - Alte Kirche, S. 181 f.; im Original bei J. P. Migne, Patrologiae cursus completus, series Graeca (MPG) 29, Sp. 525 ff.) (Quelle: Zeitschrift "Der Theologe", Hrsg. Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 14: Hieronymus und die Entstehung der Bibel, Wertheim 2004, zit. nach http://www.theologe.de/theologe14.htm, Fassung vom 23.4.2011).
 Die Worte des Hieronymus verdeutlichen wie schwierig sich dieses Unterfangen für ihn gestaltete; denn in eine Übersetzung fließt immer die Meinung und das Gedankengut des Übersetzers ein und sein Verständnis der Sprache. Dieses Wissen unterstreicht die Weisheit des Konfuzius, der rund 800 Jahre vor Hieronymus sagte: „Wenn die Sprache nicht stimmt, dann ist das, was gesagt wird, nicht das, was gemeint ist..“. Sprach Hieronymus noch die Sprache der ersten Bibelübersetzer, deren Griechisch und Hebräisch? Wohl kaum, denn welcher Mensch versteht heute noch wirklich die deutsche Sprache, die vor etwa 150 Jahren gesprochen wurde, in ihrem Urgrund? Gesehen an diesen Beispielen ( einfach gesprochen und nicht in der Fachsprache der Philosophen ausgedrückt, die „Otto und Lieschen Normalverbraucher“ sowieso nicht verstehen und die sie dem Denken der sog. „Weisen“ entfremdet) entspringt das Erkennen der Wahrheit in den meisten Fällen dem Wissensstand der Zeit , deshalb ist das Wissen um die vermeintliche Wahrheit  veränderlich, die Wahrheit selbst aber bleibt unbekannt und wahrscheinlich unverändert.Jahrtausende brachten viele Wahrheitssucher hervor:  Erkennende, Wissende, Erleuchtete, aber auf ihren Wegen ging vieles des Erkannten verloren, denn oft bargen wenige Wissende  das Wahre  als Geheimnis, das wiederum verloren ging  in den Zeitläuften und  doch wieder als Mythos aus ihrem Dämmer auftauchte. So bleibt die angestrebte „große Wahrheit“ z.B. von Kung-futse und Laotse durch alle Zeiten, Religionen und Philosophien sogar  bis hin zu Karl Marx ein Wunschtraum, vielleicht sogar ein Mythos und es bleibt die Frage, ob je ein Mensch, allumfassend in allen Bereichen des Lebens, des Wissens und der Erkenntnis in seinem Leben die „ große Wahrheit“ erkennen wird. Was aber wird gemeint, wenn von der Wahrheit als solches (und dabei ist es gleich ob im wissenschaftlichen, politischen oder philosophisch-religiösen Bereich), gesprochen wird? Versteht der Zuhörer das Gleiche wie der Redner? Sind nicht eher mit dem Begriff von Wahrheit die Tugenden  Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit gemeint? Tugenden, die in ihrem Stellenwert  unveränderlich hochrangig,  gefordert werden und dennoch – gleichsam in einer Inflation der Werte – zum Erreichen von Macht und Geld zu immer wieder beschworenen, aber leeren Worthülsen verkommen sind.  So ist die politische Lüge ein alltägliches Ereignis, Diebstahl  fremden Gedankengutes oder wissenschaftlicher Ergebnisse fremder Arbeiten an der Tagesordnung , die in vielen entdeckten Fällen noch nicht einmal mehr zur letzten Konsequenz  eines politischen Aus bzw. Karrierestopps führen. Es scheint in jüngster Zeit sogar so, dass - in Umkehrung der Verhältnisse - betrügerisches Verhalten mit hohen Ämtern in der EU belohnt wird (siehe Fall Koch-Mehrin). Bis heute waren  Politik und Gesellschaft der westlichen Welt nicht fähig, das Lügengebäude kapitalverschiebender Banken und Großanleger zu durchbrechen.


Eichenlaub - ein altes Symbol der Wahrheit (Bildquelle Wikipedia)
  Ohne Moral und jegliches ohne Gewissen wird mit Geld jongliert, das im Grunde schon längst verspielt ist und das es schon längst nicht mehr gibt. Der diebische Griff in die Taschen der Steuerzahler mit gleichzeitiger Reduktion sozialer Leistungen ist obligatorisch. Schleichend werden Staaten  abgewirtschaftet,  ständig künstlich wieder  finanziell unterstützt, ebenfalls mit nicht vorhandenenMilliardenbeträgen; denn welcher Staat in der EU verschuldet sich nicht alljährlich wieder neu und immer höher? Man muss sich nur vor Augen führen, welche Anstrengungen geleistet werden, um Großinvestoren der maroden griechischen Wirtschaft zu schützen, weil sie in ihrem Riesen-Monopoly auf’s „falsche Pferd“ gesetzt haben.  


- Es leicht,  das Geld zu verspielen, das andere erwirtschaftet haben.
- Es ist leicht, über die Köpfe des Volkes hinweg Gesetze zu erlassen, die vielen ihre Existenz kostet und wenige reich werden lässt. 
- Es ist leicht, das Volk durch leere Versprechungen zu betrügen, um sich selbst die Taschen zu füllen.

Wann werden wir erkennen,
 -dass keine Partei, kein Politiker mehr mit Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit agiert,

Kung-futse (Konfuzius, Wikipedia)

- dass keine Bank mehr eine „Volksbank“ ist, wenn sie auch diese irrige Bezeichnung in ihrem Namen führt,

-dass aber hinter allen Lügen die Wahrheit auf ihre Entdeckung wartet.


Lao-tse (Wikipedia)

Ihr zum Sieg zu verhelfen, ist die gemeinsame Aufgabe aller Menschen, die guten Willens sind, die es nicht mehr zulassen wollen, dass die Gier der Herrschenden Leben und Umwelt zerstört, Existenzen vernichtet und unter der gleisnerischen Maske vermeintlicher  Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit verborgen bleibt.