Donnerstag, 24. März 2011

Drum besser wär's, dass nichts entstünde!

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Drum besser wär's, dass nichts entstünde!

Mit diesen Worten[1] führt sich Mephisto bei Faust ein. In uns sträubt sich etwas gegen diese Aussage. Gewiss gibt es etliches, von dem auch wir uns wünschen würden, dass es nicht entstünde: Gier, Gewalt, Hass und Neid, Kriege, das Fressen und Gefressenwerden als Naturprinzip und die Zerstörung der Umwelt. Daneben gibt es doch aber sehr vieles, über deren Existenz wir uns freuen, wie den geliebten Partner, die eigenen Kinder, ein Stück heile Umwelt, einen Sonnentag am Meer. Was einem missfällt oder gefällt, unterscheidet sich natürlich von Mensch zu Mensch.

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Wir unterscheiden also zwischen dem, was uns gefällt, und dem, was uns nicht gefällt. Mephisto unterscheidet jedoch nicht, denn er behauptet: »denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht«. Wie stehen wir dazu?

Nachdem wir bereits festgehalten haben, dass wir uns über etliches freuen und über anderes weniger erfreut sind, müssen wir Mephisto die Zustimmung verweigern, dass alles, was entsteht, wert ist, dass es zugrunde geht. – Oder vielleicht doch nicht …?

Wenn nichts mehr von dem, was entsteht, zugrunde ginge, dann wäre es auf unserer Erde noch mehr überfüllt, als es das ohnehin schon ist. Wir haben uns inzwischen daran gewöhnt, dass alles dem Naturgesetz vom Werden und Vergehen unterworfen ist, nicht nur die modernen technischen Geräte, denen das mögliche Zugrundegehen kurz nach Ablauf der Garantiezeit bereits eingebaut wird, nein, auch Pflanzen, Tiere und Gebirge gehen zugrunde. Selbst unsere Sonne und ganze Galaxien vergehen, wenn ihre Zeit gekommen ist. Für gewöhnlich haben wir auch keine Probleme damit, es sei denn, wir sind selbst davon betroffen oder jemand, der uns gefühlsmäßig nahesteht.

Wie sich also zeigt, sind wir gar nicht so weit von Mephisto entfernt, solange es um die Meinung geht, dass alles, was entstehe, wert sei, dass es zugrunde gehe.

Wie ist es aber mit der Schlussfolgerung: Drum besser wär's, dass nichts entstünde. Bleiben wir bei der Auffassung, der die Aussage für einiges gilt, für anderes aber nicht? Diese Wahl lässt uns Mephisto aber nicht, denn zumindest für den an einen höchsten Gott Glaubenden steht die Wahl allein ihm zu. Wir müssen uns folglich zwischen Zustimmung und Ablehnung entscheiden. Würden wir zustimmen, gäbe es nichts von dem, an dem unser Herz hängt. Lehnen wir ab, entsteht nicht nur das, was uns erfreut, sondern auch manches, worauf wir verzichten möchten. Obwohl wir die Entscheidung gar nicht treffen können, fragen wir uns einmal, wie unsere Entscheidung ausfallen würde.

Ich vermute, dass wir das, was wir lieben und schätzen, lieber eine begrenzte Zeit hätten als gar nicht.

Wolf-Gero



[1] Mephistopheles.   Ich bin der Geist, der stets verneint!
                                   Und das zu Recht, denn alles, was entsteht,
                                   Ist wert, dass es zugrunde geht;
                                   Drum besser wär's, dass nichts entstünde.
(Goethe: Faust I, 1338 bis 1341)