Sonntag, 10. April 2011

Ernährung der Zukunft, Rettung aus der Vergangenheit?

Ein Oldie aus der Vergangenheit, ein Urkorn, scheint sich ernährungswissenschaftlich als umweltschützendes Getreide der Zukunft heraus zu kristallisieren: Der Dinkel (Triticum spelta), schon vor 8000 Jahren in Asien in aller Munde, von ernährungsbewussten Mitbürgern heute geliebt, bietet er ein ungeheures Potential, um als künftiges primäres Nahrungsmittel zu fungieren.
Zunächst sind seine Bedürfnislosigkeit im Anbau, Robustheit auch bei rauheren klimatischen Bedingungen, die durch den harten Spelz bedingte Krankheitsresistenz und weitgehendem Widersetzen gegen Genmanipulatione, erste Kriterien zu seiner Wahl; denn es sind weder Pestizide notwendig oder Düngungen (höchstens Vordüngung mit Bohnen), weil Dinkel auf Letztere äußerst sensibel mit "Eingehen" reagiert, dadurch aber der Methanausstoß beim Anbau um 19% verringert ist.
Die Ertragsmenge ist zwar geringer als beim industriell angebauten Weizen, dafür ist Dinkel proteinreicher und - sehr wichtig - das phosphorhaltigste Getreide.
Schon vor knapp 1000 Jahren empfahl die heilkundige Visionärin Hildegard von Bingen Dinkel und erkor ihn als zentralen Bestandteil ihrer Medizin. In ihrem Werk "De Physica" schrieb sie: "Dinkel ist das beste Getreidekorn. Es wirkt wärmend und fettend, hochwertig und gelinder als alle andere Getreidekörner. So ihr es esst, bildet Dinkel gutes Fleisch. Dinkel führt zu rechtem Blut, gibt ein aufgelockertes Gemüt und die Gabe des Frohsinns..." Trotz häufiger Krankheiten durch ein strapaziöses Leben z.B. mit vielen Reisen zu Pferde, wöchentlich zweimaliger Überquerung des Rheins zwischen Bingen und dem Kloster zu Eibingen (bei Rüdesheim) in einem einfachen Nachen erreichte St. Hildegard das für die damalige Zeit biblische Alter von 81 Jahren.
Zwar erfordet der Dinkel einiges Mehr an Arbeit und verursacht höhere Lagerkosten als zum Beispiel der Weizen, dessen Körner leicht beim Dreschen aus der Fruchthülle fallen, während der harte Spelz des Dinkels sich nur durch einen Gerbvorgang lösen lässt, aber er bietet ein ungeheures Mehr an wichtigen Nährstoffen in einer genialen Mischung, es folgen die wichtigsten Inhaltsstoffe (Brennwert 1340 kj/320 kcal pro 100 verzehrbaren Anteilen)
Inhaltsstoff Anteil
Wasser 12,5 g
Eiweiß 11,6 g
Fett 2,7 g
Kohlehydrate 62,4 g
Ballaststoffe 8,8 g
Natrium 3,0 mg
Kalium 447 mg
Calcium 22 mg
Phosphor 411 mg
Magnesium 130 mg
Eisen 4,2 mg
Fluor 0,06 mg
Vitamine E 0,30 mg
B1 0,30 mg
B2 0,10 mg
B6 0,30 mg
Niacin 1,50 mg
Dinkel macht glücklich! Diese Aussage bestätigt der hohe Anteil an Aminosäuren, die im Körper die Produktion bestimmter Hormone anregen, die ein Glücksgefühl stimulieren. Als konsequente Basisdiät bei allen Zivilisationskrankheiten (z.B. Diabetes, Gicht, Herzkrankheiten, Allergien, Neurodermitis etc.) ist das hochwertige Korn sehr zu empfehlen und soll sogar sich günstig und heilend auf Beri-Beri auswirken. Auch hoch ausgemahlen behält es seine wertvollen Inhaltsstoffe und kann in Form von "Reis", "Gries", Dinkelotto, Flocken und Mehl verarbeitet werden, ja sogar Kaffee, Pfarrer Kneips berühmter "Muggefugg", "outet" sich als Dinkelprodukt. Zu Erwähnen ist noch der zur "Milchreife" geerntete Dinkel, der geröstet olivgrün als Grünkern resp. Grünkernmehl zu haben ist und schmackhaft auf viele Art zubereitet werden kann.
Was gibt es Negatives zu vermelden? Zum Beispiel, dass Dinkelmehl leicht "überknetet"werden kann und dass es einem Zufügen anderer Mehlarten z.B. von Weizen oder der Acerolakirsche bedarf, um Backwerke herzustellen. Aber was bedeutet solch eine kleine Unanehmlichkeit gegen die enorme Bandbreite an Vorteilen?!
Daumen hoch für ein kleines Korn, einem Riesen der Ernährung!
Bildquellen: Dinkelbilder:Wikipedia
St. Hildegardbüste: Museum am Strom, Bingen (Pünktchen)