Sonntag, 17. April 2011

Im Zeichen der jungfräulichen Göttin - die Birke

Jetzt wehen sie leicht wieder im Wind, die langen Zweige der Hängebirken, überzogen von zarten Schleiern hoffnungsfrohen Grüns, die Erde im Jugendkleid des Frühlings, wieder erwacht, wieder geboren. Sie, die jugendlich Schlanke vom 3. Schöpfungstag, wurde den nordischen Göttinnen Freya und Frigg in ihrer jungfräulichen Erscheinungsart geweiht sowie der keltischen Brigid. Es ist nicht verwunderlich, dass diese alten Schutzgöttinnen des Herdfeuers und des Lichtes sich diesen lichtdurchfluteten Baum zum Symbol auserkoren hatten. Die Birke, lat. Betula, zeichnet sich nicht nur durch ein schnelles Wachstum aus, sie erreicht immerhin schon innerhalb von 6 Jahren eine stattliche Höhe von 7 Metern (ist ausgewachsen bis zu 30 Metern hoch), sondern bietet durch ihre mannigfaltige Nutzbarkeit ein üppiges Repertoire an Einsatzmöglichkeiten:
Im Gegensatz zu anderen schnellwachsenden Baumarten ist ihr Holz nicht nur zum Anzünden geeignet, sondern bis zu einem gewissen Maß auch als Feuerholz, da die Holzscheite nur minder rasch niederbrennen, ja es eignet sich besonders gut als Kaminholz ohne Funkenflug, und der Reichtum an ätherischen Ölen lässt es auch im frischen Zustand brennen.
Wegen seiner geringen Tragfähigkeit scheidet das Birkenholz zur Verwendung als Bauholz aus, dagegen eignen sich verschiedene Birkensorten hervorragend zum Möbelbau bzw. als Furnierholz und Sperrholz und diente in Zeiten der kleinbäuerlichen Betriebe vom Mittelalter bis ins 20. Jhdt. zum Anfertigen von Fassreifen, Deichseln, Heugabeln und -rechen, Leitern, Tischen Stühlen, ja auch Wäscheklammern und Messergriffen, wofür es sich hervorragend infolge seiner Resistenz gegen Trockenheit verarbeiten ließ.
Wer ahnt heute noch etwas über die Verwendung von Birkenrinde, auch Birkenleder, genannt? Nicht nur verschiedene Indianerstämme, die sie als Wände ihrer Wigams, für Schuhe, Schreibunterlagen, Gefäße oder sogar Totenkleidungen nutzten, auch heute kennt man noch die antiseptische Wirkung von Mehl-, Tee-, Kaffee- und Brotgefäßen aus Birkenrinde und weiß sie zu schätzen.
Birkenöl und Birkenteer werden aus dem oberen Teil der in 2 Schichten gegliederten Rinde gewonnen, während der untere Teil sogar essbar ist und wie Spaghetti gekocht werden kann.
Die Blätter der meisten in der Welt verbreiteten Birkenarten - etwa 100 an der Zahl - erhalten nennenswerte Mengen an Flavonoiden, Saponinen, ätherischen Ölen und Vitamin C. Bekannt ist auch, dass der Rindensaft Invertzucker enthält und deshalb vergoren werden kann (zu einem bäuerlichen berauschenden Birkenwein), die Finnen stellen aus der Rinde den Zuckeraustauschstoff Xylitol her, sie enthält daneben auch noch Phytosterine und Terpene.
Dass die Birke schon seit grauer Vorzeit in der Volksmedizin zur Therapie bei Wassersucht, Gicht und Rheuma benutzt wurde, ist hinlänglich bekannt, da sie als harntreibend, blutreinigend und anregend gilt und deshalb auch in der heutigen sog. Phytotherapie Anwendung findet, nicht zuletzt auch als Haarpflegemittel wie das altbekannte Birkenwasser.
Dass aber schon die Neandertaler und auch der Homo sapiens bis hin zum Cro-Magnon-Menschen das Birkenpech als wirkungsvollen Klebstoff beim Anfertigen ihrer Werkzeuge verwandten, wissen die Wenigsten, und doch kann man es als eine frühe Art von Kunststoff bezeichnen.
Viele Vogel- und Schmetterlingsarten sind auf diesen Wunderbaum angewiesen, der uns schon seit der Urgeschichte der Erde begleitet, wie an einem fossilen, 48,5 Millionen Jahre alten Birkenblatt (Fundstätte in den USA) unschwer zu erkennen ist. Da er Lebensraum für viele Arten an Pilzen, Moosen, Insekten und Tieren bietet, durch seine Anspruchslosigkeit an Klima und Böden sowohl auf den kargen Sandböden der Heide als auch in moorigen Gebieten zu finden ist, sollte er uns weiterhin als förderungswürdiger Baum in die Zukunft begleiten.
Lasst uns Birken pflanzen, die jugendlich Schlanken vom 3. Schöpfungstag!
Bildquelle: Birkenbilder Textanfang und Schluss: Pünktchen
Alle übrigen Bilder (einschl. Birkenwald von Klimt): Wikipedia